Die natürliche Landschaft um Hamburg

Von Madlene Behrens, Klasse 8a (97/98)

Die erste Besiedlung

Durch die Funde von primitiven Steinwekzeugen konnten die Vorgeschichtsforscher feststellen, daß bereits bei Beginn der ältesten Eiszeit Menschen im Hamburger Raum lebten. Die verschiedenen Eisvorstöße zwangen den Menschen, seine Wohnsitze immer wieder zu verlegen. Erst als vor 20 000 Jahren das Eis endgültig aus Nordwestdeutschland zurückging, konnten die Menschen dauernd im Hamburger Gebiet wohnen. Zunächst war es noch recht kalt: Die Landschaft ähnelte der arktischen Tundra. Zwergbirken, Weidengestrüpp, Flechten und Moose bedeckten das Land. Im Sommer weideten hier Rentiere. Der Mensch jagte die Rentiere und folgte ihnen auf ihren Wanderungen. In den Flußgebieten der Alster und der Bille schlugen die Rentierjäger ihr Lager auf. Bei Ahrensburg wurde ein solcher Sommerwohnplatz gefunden, der viele Jahre hintereinander von den Rentierjägern aufgesucht worden war. Hier fand man über 1000 Rentiergeweihe und eine große Zahl von Werkzeugen aus Feuerstein, Geweihen und Knochen.

Faustkeil
Rentier

Die Gestaltung der Stadtlandschaft
Die Besiedlung in frühgeschichtlicher Zeit

In den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt war die Landschaft, in der heute die Stadt Hamburg liegt, dicht besiedelt. Das bezeugen die großen Friedhöfe aus dieser Zeit, die man in Fuhlsbüttel, Marmstorf, Ehestorf, Eißendorf und Langenbek ausgegraben hat. Sie stammen von dem germanischen Volksstamme der Sweben, die von Schweden kamen und später teilweise nach Süddeutschland (Schwaben), Italien und Spanien weiterzogen. Die Forscher vermuten, daß die Ortsnamen mit der Endung -ingen von den Schweben herstammen, z.B.Stellingen, Rellingen, Schnelsen (früher Snelsinge) und Hetlingen. In Farmsen wurde beim Bau der Siedlung Neue Heimat eine Schwebensiedlung ausgegraben. Der Teil der Schweben, der südlich der Elbe zwischen der Oste und der Elbe wohnt, nannte sich Langobarden. Der Name des Ortes Bardowick erinnert an den alten Bardengau.

Die Naturlandschaft

Bevor die ersten Häuser Hamburgs erbaut wurden, sah das Gebiet der Freien und Hansestadt keineswegs so aus wie die heutigen Marsch- und Geestlandschaften in seiner Umgebung. Ackerbau, Viehzucht und Forstwirtschaft haben die Landschaft sogar außerhalb der Ortschaften und abseits der Straßen und Wege völlig verwandelt. Aber auch ohne Zutun des Menschen veränderten sich die großen Baumeister der Naturlandschaft, die der Mensch noch nicht berührt hatte. Mehrfach wechselte das Klima im Laufe der Jahr- tausende. Dadurch wandelte sich auch die Pflanzen- und die Tierwelt. Tropische Urwälder, Laub- und Nadelwälder der gemäßigten Zone und arktische Tundra wechselten miteinander ab.

Die Entstehung der Geest

Am Ende der Tertiärzeit ( vor ungefähr 500 000 Jahren) herrschte in Nordeuropa ein Klima, wie wir heute auf Grönland antreffen. Riesige Gletscher, deren Eismassen mehrere 100 m dick waren, schoben sich von Skandinavien nach Mitteleuropa vor. Die Gesteinstrümmer und Erdmassen, welche die Gletscher von den skandinavischen Gebirgen und den Kreidebergen im Gebiet der heutigen Ostsee losrissen, wurden bis nach Norddeutschland mitgeschoben. Darum nennt man sie Geschiebe. Die Erdoberfläche aus der Teriärzeit wurde weiter eingeebnet. Sie blieb nach dem Abschmelzen der Gletscher unter den Geschieben begraben. Der größte Teil der Geschiebe wurde durch den ungeheuren Druck der dicken Eisschicht zu feinen Gesteinsmehl zermahlen. Daraus entstand ein fruchtbarer Lehmboden. Er überdeckte den unfruchtbaren Sandboden der Teriärzeit. Besonders feste Granitbrocken und der sehr harte Feuerstein überstanden den Eistransport. Mehrfach änderte sich das Klima während dieser Zeit, die man die Eiszeit nennt. In den wärmeren Zeiten, den Zwischeneiszeiten, schmolzen die Gletscher ab. Bei einer erneuten Abkühlung rückten sie wieder nach Süden vor. Dabei stauchten sie das Erdreich zu hohen Hügelketten auf. Diese gestauchten Hügel nennt man Erdmoränen. Während der vorletzten Eiszeit hielt sich der Eisrand ( Warthe-Vorstoß) längere Zeit auf der Linie Ulzburg-Wedel-Estetal. Dadurch entstand ein zusammenhängender Endmoränenzug. Reste davon sind der Kisdorfer Wohld, die Blankeneser Höhen, die Harburger Berge und der Wildseder Berg.

Die Landschaft während der Bronzezeit

Von der Bronzezeit (1800 bis 800 v. Chr.) bis heute hat sich das Landschaftsbild durch Naturereignisse kaum noch gewandelt. Nur die Elbe und ihre Nebenflüsse veränderten ständig ihr Flußbett. Alte Sandbänke und Inseln wurden fortgerissen und neue aufgeschüttet. Seit der Bronzezeit aber hat der Mensch die Landschaft stark verwandelt. Die Naturlandschaft des Hamburger Raumes besteht aus der nördlichen und der südlichen Geest sowie dem flachen Schwemmland der Elbe, das sich zwischen den beiden Geestgebieten erstreckt. Als Siedlungsgebiet eigneten sich nur die beiden Geesträume, besonders die an Trinkwasser reichen Ränder, die auch einen Zugang zu den fischreichen Flüssen hatten. Die Schwemmlandflächen der Elbe und der Unterläufe ihrer Nebenflüsse waren seit dem Ende der Steinzeit stark verschlickt und wurden bei jeder größeren Flut überschwemmt. Sie waren eine Sumpf- und Reetwildnis, die in den höheren Teilen mit einem Erlenbruchwald bedeckt war (Bruch, niederdeutsch Brook, bedeutet Sumpf).


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